Donnerstag, 31. Dezember 2015

Warum Schafe so therapeutisch sind...2

Am letzten Montag war ich wieder unterwegs zu "meinen" Schafen. Ich hatte Stroh eingepackt, trockenes Brot, einen Sack Lämmerkorn, ihr Lieblingsfressen, das ist so eine Art Kraftfutter - und ihr Lieblingsheu, das Württemberger Wiesenheu.

Eigentlich brauchen sie es nicht wirklich, das Brandenburger Heu ist sehr gut in diesem Jahr, und sie fressen es zu ihrem Grasen auf der Wiese sehr gerne und reichlich.

Man darf aber nicht vergessen, dass die meisten der kleinen Herde älter als zehn Jahre sind. Daher das Kraftfutter, die Pellets. Und das Württemberger mit seinen fünfzig Kräutern, das wirkt wie Medizin.

Nello war vor zwei oder drei Jahren einmal ganz schwach gewesen, er stand nicht mehr von allein auf.
Aber er rappelte sich wieder und obwohl er ganz dürr ist, frisst er wie ein Scheunendrescher und die Lebenslust blitzt ihm aus den Augen.
Eigentlich dachten wir schon drei Mal, er würde den Winter nicht überleben...

Als ich am Montag kam, ging ich erst einmal mit dem neuen Hofhund, Taras, auf einen Spaziergang. 
Die Schafe hatten mich schon gehört, sie riefen schon. Dann kamen sie auch "dran":




"Na endlich", schienen sie zu sagen. "Dass Du da bist und kommst nicht, das geht gar nicht!"

Pony ist sehr liebevoll eigentlich, hält sich oft aber erst einmal zurück. Man hat auch leider nur zwei Hände zum Streicheln. Aber erst einmal waren sie abgelenkt. Da war dieses schöne grüne Heu...





Eines von den vier kleinen überlebenden Lämmchen dieses Jahres steht unschlüssig vor dem Tor.




Aber Thilus lässt es sich schmecken und haut rein. Manchmal schaut er, wenn er wieder etwas abgerupft hat, zu mir rüber, sagt: "Manno, hast Du wieder das coole Heu mitgebracht!" An der Art, wie sie rupfen, sieht man, ob und wie es schmeckt.




Währenddessen schaut sich der übervorsichtige Paul um, ob er ohne Sorge da hineingehen kann oder ob 
am Ende mal wieder Klauenpflege angesagt ist...was natürlich keiner mag!
Dann locken wir sie in die Hütte, schließen die Tür und führen sie zur Behandlung einzeln wieder heraus...und Paul, wenn er Verdacht hegt, kommt dann erst gar nicht in den Stall. So ist er eben. Er wittert förmlich künftiges Ungemach. Er ist der feinnervigste von allen.




Ganz entschlossen ist er noch nicht.




Aber echt, Paul, wie soll ich denn diese Geste deuten??? Herr Weiss steht auch noch unschlüssig hinter ihm herum.
Paul hat gemerkt: Sie ist allein. Keiner draußen, der die Tür zumacht, wenn ich drinnen bin - Ätsch!!





Dann hat sich Paul zum Hereinkommen entschlossen und nimmt Fühlung auf. Das hat alles schon so lange gedauert, dass in mir auch schon eine Art Ruhe sich ausbreitet, so eine vormoderne, unhektische Verfassung, in der der Moment alles ist und alles Andere nichts.




Nayala, das rechte Lämmchen, hat eine Patin gefunden. Sie ist zu beglückwünschen!!
Sie war sehr krank gewesen, hatte einen anhaltend schweren Durchfall. Als sie aber den Namen hatte, eine Arztbehandlung und ihre Patin, ging es mit ihr aufwärts, aus dem Kümmerling wurde ein kleines Schaf, das mit seinen Hufen anfing, im Leben zu stehen!

Das linke, das Fleckchen und das dritte, das Rundnäschen, sie suchen noch Paten.





Hier sieht man den Zugang zum Stall über die Weide.





Als sie ihre Pellets bekommen haben und die erste Gier vorbei ist, ist zu sehen, wie das Fleckchen sich immer in Nellos Nähe aufhält. Er kümmert sich nicht groß darum, es stört ihn aber auch nicht. Später zeigt sich, dass die Beobachtung richtig ist.

Das Fleckchen sucht Nellos Nähe.


*******

Warum die Schafe so therapeutisch sind...1

Das versuche ich, einmal zu erklären. Ob es gelingt, das weiß ich nicht.
Ich war ja ungefähr zehn Jahre lang an der Schule, ohne die Schafe überhaupt zu beachten. Sie waren eine exotische, sympathische Zutat, gingen mich aber nicht weiter etwas an.
Die Hausmeister hatten ihre Pflege auch völlig selbst in der Hand. Kinder waren nicht beteiligt.

Erst, als Frau B. die Pflege der Schafe übernahm, weil der neue Hausmeister ein Totalausfall war, als sie Kinder am Stallausmisten beteiligte und Schaf- und Wollprojekte mit ihnen durchführte, mit dem Schafsmist Kompostmieten betrieb und den Dünger im Schafehof unter den Bäumen verstreute, dabei Regenwurmkisten zur Beobachtung anlegte....da find das an, mich auch zu interessieren.

Als sie dann in Pension ging, hatte ich die Schafe allein an der Backe.
Konnte ich mich weigern?

Sie hätte sie einem Bauern gegeben und weiter nicht groß geschaut, was der mit ihnen macht.
Das war mir verbaut. Ich hätte mir mein Leben lang Vorwürfe gemacht.
Die Hammel haben schon gar keine Chance. Die Frauen eine Zeitlang, wenn sie gebären, vielleicht.

Als mir das klar wurde, wusste ich, dass ich da drin hing. Zuerst bedauerte ich, dass die Tiere nicht so klein wie Kaninchen waren.
Das war eine Körpermasse bei manchen von 60 kg und mehr.

Als die Tiere dann an der Schule nicht mehr erwünscht waren, als sie auch verletzt worden waren, was 25 Jahre lang nicht vorgekommen war, weil die Schafe wegen der Kinder, die sie liebten, so eine Art Welpenschutz im Viertel hatten - da suchte ich einen Hof für sie.

Ich fand einen. Aber mir war nicht klar, wie schwierig es sein würde, wenn zwei Logiken auf einem Hof sind: Eine ökonomische und Schlachtlogik und eine Patenschafts- und Zufluchtslogik.
Doch davon vielleicht ein anderes Mal.

Heute wollte ich auf das zurückkommen, was mir die Schafe zurückgaben und geben.

Ich habe gelernt, dass man langsamer sein muss als ein Schaf. Dann gibt es seinen Fluchtimpuls auf, dann nähert es sich und zeigt Neugierde und zeigt sich.

Für viele Menschen ist es sicher nicht leicht, sich langsamer zu geben als ein Schaf, für manche unmöglich. Für viele Kinder war es möglich. Sie erlebten, wie die Schulschafe auf sie zukamen - manche hatten furchtbare Angst! Als käme da ein Wolf! - aber manche Kinder spürten die Wärme, das Weiche, das Ruhige, das, das keine Ansprüche an sie stellt sondern nur mit ihnen den Augenblick teilt.

Und so lernte ich das auch.

Samstag, 11. Juli 2015

Impressionen 11.7.15

Da sollte noch ein Text hin....
Aber die Bilder sprechen auch schon ein wenig für sich.




Petit Criü


Weidenblätterschmaus



Nellos wache Augen




Fläumchen reckt sich



Von unterm Blätterdach
ein Blick auf die Weide


Petit, der aber schon sehr groß ist,
wirkt immer sehr genießerisch
und zufrieden.



Er hat so wunderschöne,
verträumte Augen.




Thilus begleitet mich immer
bis zum Tor.




Milli kommt auch noch mit.
Die anderen bleiben hinten
unterm Blätterdach.




Ferienhaus mit Stall.
Hier wohnte ich 2008 acht Monate lang.
Im Bett liegend, hörte ich
Almas Glocke.
Idyllisch war es.



Almas schönste Momente:
Wenn Kinderbesuch kam.
Das hier war 2011.




Klein Criü im Januar 2009
Er wirkte immer wie noch nicht richtig
in der Welt angekommen.




Dieses Bild zeigt es auch: rechts steht er.
Alle fressen Brot, aber er steht daneben
und schaut sich die Sache an.
Februar 2009




Prachtfoto von Pony, 2011



Pony geht's gut.



Nello, 2011




Die drei von der Gang:
Nello, Pony, Thilus.
So um 2010.
Pony war 5, Nello und Thilus 8 Jahre alt.


Samstag, 4. Juli 2015

Wie alt wird denn ein Schaf?

Heute war ich wieder bei "meinen" Schafen. Wir fuhren sehr früh los, wegen Hoch "Annelie" mit bis zu 37 Grad Celsius.
Sie lagen im Schatten. Bis vor kurzem hieß dieses Blog "Lenauer Schafeblog", denn es handelte von den Schulschafen der Lenau-Schule in Xberg, Berlin.

25 Jahre waren die Schafe an der Schule gewesen. Doch die Schule, das Kollegium, hatte sich fast vollständig ausgetauscht, die Zeiten waren andere geworden, die Schule wollte die Schafe nicht mehr wirklich.

Welche Kompetenzen Schüler im Umgang mit Schafen und ihrer Wolle erwerben, kann man auch nicht so gut evaluieren. Tant pis pour les brébis - oder die Schüler. Wie man will.

So brachte ich sie - traurig - in eine Schäferei in Brandenburg, lebte ein paar Monate dort mit ihnen zusammen, sorgte für ihre Pflege und ihre finanzielle Unterstützung und besuchte sie, so oft ich konnte. 

Bis heute besuche ich sie wöchentlich. Sie waren mir ans Herz gewachsen, ich konnte sie dieser kalten Welt, die sie nur als "Nutztiere" betrachtet, nicht einfach überlassen.

Sie hatten sich mich ausgesucht, um ihre Interessen zu vertreten. Ich finde, es gibt schlechtere Aufgaben, an denen man sich erproben kann.
Sie haben mir sehr viel gegeben und tun das weiterhin.
Zwei Stunden auf der Weide und man ist ein anderer Mensch als der, der herkam.

Und dann war es so.  Sie gingen nach Brandenburg und wurden Landschafe. Das war im Dezember 2007.
Nun schreiben wir 2015. Sechs der elf damaligen Schafe sind noch da, einige sind gegangen. Zwei wurden zwanzig Jahre alt.

Alma ist jetzt 15. Thilus ist 13, Paul ist 12, Milli und Nello sind 13 Jahre alt. Fläumchen ist 12.

Ich würde gerne weiter über sie berichten, denn sie sind wunderbare Tiere und sie sind meine Freunde.
Ich muss nicht mehr als Lehrerin über sie berichten.

Aber erzählen möchte ich von ihnen. (Bilder folgen)

Weil die häufigste Frage, die mir je gestellt wurde, diese ist:

Wie alt wird eigentlich ein Schaf?",

nenne ich das alteneue Blog "Alte Schafe".

Die Antwort ist übrigens "20 Jahre und mehr sind möglich, wenn man sie lässt."

Aber man lässt sie nicht, in aller Regel nicht, wie wir alle wissen.

Nello, 13, das Schaf auf dem Bild im Header, war vor zwei Jahren viel schlechter dran als jetzt. Wir mussten ihm beim Aufstehen unter die Beine greifen und ihm hochhelfen.

Als ich heute kam, stand er geschwind und ohne Mühe auf.

Alma hat immer noch diese rätselhafte kahle Stelle an der rechten Schulter.

Vor einiger Zeit war die Haut aufgegangen. Sie bekommt ohnehin Kraftfutter wie alle, sie ein bisschen mehr, aber ich gab ihr auch Arnica Montana als homöopathisches Medikament. Die Wunde schloss sich glücklicherweise wieder.

Diese heißen Tage sind anstrengend für die Tiere. Nur morgens und abends sind sie unterwegs. Die anderen Stunden liegen sie im Schatten.

Eine Freundin, Tierhomöopathin, sagte einmal: 
"Der Winter und der Sommer sind die harten Monate für die Tiere."

Das hatte ich so noch nicht gesehen, aber ich finde, sie hatte Recht.

Alma ist mittlerweile stocktaub. Sie hört nichts mehr. Aber das passt zu ihr, sie hat noch nie wirklich auf irgendwen gehört.

In dieser Woche, erzählte der Schäfer, wickelte er sie aus dem Elektronetz. Er hatte vergessen, es anzustellen, sie hatte es sofort gemerkt und irgendwelche Kunststücke gemacht und die Kontrolle verloren.

Ein Glück, dass er sie bald gefunden hatte!

Er sorgt wirklich gut für sie.




Alma war immer der Star für die Kinder. Sie erwachte richtig zum Leben, wenn sie mit Kindern zu tun hatte. Sie war ein supertolles Schulschaf.

Wenn die Kinder nach Brandenburg zu Besuch kamen, war es ein Fest für beide Seiten.

Auf diesem Foto ist Alma 11 Jahre alt. Sie wurde am 3. Januar 2011 geboren.

Kürzlich war ich mit ihr außerhalb ihrer Weide mit der elastischen Hundeleine spazieren. Das haben wir früher an der Schule  so gemacht, zusammen mit den Kindern, es war der Hammer für Alma, spazierengehen zu dürfen.

"Extrawürste" hat sie sehr gern. Sie empfindet sich dann als etwas Besonderes. Ich würde ihr da nicht widersprechen. Sie ist etwas Besonderes.

Minna

Sonntag, 28. Juli 2013

Nello geht es weiterhin gut.

Liebe LenauerInnen, liebe Alle, die Schafe mögen,

In den letzten Tagen waren mein Mann und ich nochmals in der Schäferei. Wir kamen vormittags und blieben den ganzen Tag über, schliefen dort und fuhren erst am nächsten Tag mittags wieder weg.

Habe dort unter Anderem wunderschöne Stunden mit den Schafen verbracht. Es war sehr heiß und es gab viele Mücken und Bremsen. Trotzdem war es schön.

Kleines Gespräch mit Thilus
 

 Auch Thilus macht die Hitze zu schaffen.


 Die ersten Vogelbeeren....es wird Herbst?

 Bruno staunt: Da schwimmt einer!


Mittagshitze

Ist ja auch klar. Das Rhinluch ist ein Sumpfgebiet. In Sümpfen gibt es Stechmücken, sie werden von Fröschen gefressen, die schönen Sörche von den Nestern auf den Dächern dort, sie fressen die Frösche. Ohne Mücken also keine Störche.....


 Nello steht wieder von selbst auf.


Nello geht es wieder recht gut. Er ist ganz der alte, so, wie wir ihn kennen. Das ist doch ein Grund, sich zu freuen.

 Petit Criu wie immer sehr anschmiegsam.


 Lange liegt Alma nie. Selbst nicht bei Hitze.


Alma streift wie immer unruhig umher und sucht Interessantes.


Mit Familie K. den nächsten Schafeausflug der Kinder der Wahlpflichtgruppe "Wollwerkstatt" besprochen.

Er soll Ende August/Anfang September bei schönem Wetter stattfinden.
 
Das war's für heute! Allen, die dieses Blog lesen, wünsche ich noch schöne (Ferien)-Tage!!

Herzlich 
Minna  

Samstag, 20. Juli 2013

Nello walking again...er läuft wieder!

Liebe LenauerInnen,  liebe Schafefreunde!

Möchte Euch mitteilen, dass Nello gestern mehrfach von selbst aufgestanden ist, herumlief und graste!!!!!
Ein riesengroßer Erfolg und ich drück jetzt die Däumchen, dass es weiterhin so bleibt!

 Auf dem Bild sieht man Nello im Jahr 2005 auf dem Schafehof der LenauSchule in Kreuzberg.

Das musste ich einfach mitteilen, weil es mich so freut!

Liebe Grüße
Eure Minna

Freitag, 19. Juli 2013

Scheiß auf einen BMW!

Lieber Sven, @schafzwitschern,

für Deinen superlangen und schönen Kommentar zum Post weiter unten mit dem Titel "Was ist mit Nello los?" möchte ich Dir sehr danken! Du hast eine Menge Zeit und Überlegung eingesetzt, und eben dafür und für das, was Du schreibst: Herzlichen Dank!

Die Gedanken zur Platzwahl bei Schafen waren mir sehr wichtig. Es ist schön, die Erfahrungen Anderer teilen zu können, und Du hast bestimmt eine Menge Wissen über Schafe!!

Wir haben uns manches davon auch schon selbst so gedacht und das hat eine Bestätigung gegeben, dass es richtig war, das Wasser und den Leckstein zu den Bäumen hinzubringen. Auch wenn es verdammt viele Meter mehr sind, die man jeden Eimer Wasser dann schleppen muss...Hier hatten drei Leute den gleichen Gedanken.

Du schreibst, elf Jahre, das ist viel für ein Schaf. 

Die Frage, die mir in allen den Jahren, in denen ich mit den Schafen zu tun habe, am häufigsten gestellt wurde, ist: "Wie alt wird eigentlich ein Schaf?"

Ich kenne ja nun auch schon ein paar Schäfer, und ich sage Dir, sie wissen es nicht so genau. Vor allem wissen sie nicht, wie man mit alten Tieren und alternden Tieren umgeht. Denn sie kennen es nicht.

Bei Hund und Katze ist es "normal", dass sie alt werden. Da wissen auch die Tierärzte sehr gut "Bescheid". Aber Schafe lässt man in der Regel nicht alt werden. Hier weiß jeder Schäfer mehr als der Tierarzt auf dem Land, der mit Hund und Katze zu tun hat.

Willi ist 21 und Fleckchen sind 22 geworden, Conny 17. Nello ist nun ein recht großer Brocken, das ist wie mit kleinen oder großen Hunden vermutlich: Die kleinen können 18 werden, die großen vielleicht 12. Ich denke, er könnte 13 oder 14 werden, oder auch nur 11 oder 12 oder so. Er wirkte immer schon ein wenig "progeriert", wie die Ärzte sagen, nicht knallgesund.

Schafe werden in unserer Gesellschaft nicht alt. Sie werden als Lämmer gegessen, als Schafsfrauen bekommen sie jährlich Kinder, bis - ja bis man sie schlachtet. Meist zwischen vier und acht Jahren, richtig?

Die männlichen Tiere werden nur ein paar Monate alt, sie werden als Lämmer geschlachtet und gegessen.

Insofern, da die Schäferei K. und ich nun schon einige Tiere haben alt werden und auch sterben sehen, glaube ich, dass wir schon viel mehr darüber wissen als viele Leute, aber natürlich bei weitem noch nicht genug. In Büchern steht darüber gar nichts.

Deinen Hinweisen, wie man die Gelenke prüfen kann, werde ich auch noch in Ruhe nachgehen. Sie sind sehr aufschlussreich wie auch der Hinweis mit der Durchtrittigkeit.

An Heu hatte ich auch schon gedacht. Hier hat Herr K. durch die Öffnung der neuen Weide einen anderen Weg gewählt, der im Moment auch sehr vielversprechend ist...

Wir hatten auch schon Tiere, die gelegen haben, um zu sterben, und sei versichert, wenn dem so ist, dann merken wir das und dann begleiten wir das Tier bei seinem Sterben. Bei Willi war es so, bei Conny und bei Fleckchen.

Bei allen drei Tieren haben wir keinen Tierarzt mit der Spritze gebraucht. Die Tiere haben ihre Zeit gewählt. Wir haben gemerkt, dass sie gehen wollen und haben ihnen alles zur Verfügung gestellt: Heu, Weidenblätter (superbeliebt), Kraftfutter, Wasser, Aufmerksamkeit und homöopathische Begleitung.

Ab dem Punkt, wo es ans Sterben ging, haben wir die Tiere auch nicht mehr aufgerichtet. Sie waren heiter und ohne Schmerzen und sind innerhalb weniger Tage ohne Kampf ganz ruhig gestorben.

Dabei haben die Tiere ganz nach ihrer Art einen sehr unterschiedlichen Tod gewählt, so wie sie auch im Leben unterschiedlich waren.

Ich glaube, Familie K. und ich wir merken das schon, wann es Zeit ist, Abschied zu nehmen und wissen, dass der Tod zum Leben dazugehört. Der Tod ist in unserer Gesellschaft ein Tabu, vielleicht das letzte, das es noch gibt. Bei jedem Tod, der so frei und selbstbestimmt ist wie der unserer alten Schafe, lernt man für sich selbst dazu. Wie heißt es in der Philosophie: "Philosophieren heißt, sterben lernen..."

Es ist frappierend, wie die Tiere in den Tod hineingehen, ohne Angst, ganz bei sich, und wir Menschen können sehr viel dabei lernen.
Wir können sie auch unterstützen. Dann steht aber das Tier im Mittelpunkt und nicht irgendwelche Bedürfnisse der Menschen dem Tier gegenüber.

Ich hoffe, ich konnte Dir deutlich machen, dass Deine Befürchtungen bei uns hier unbegründet sind, dass man ein Tier nicht sterben lässt, weil man es länger "haben" will.  Das ist Gewalt, die ich ablehne. 


Bin auch so ausführlich darauf eingagangen, weil ich finde, dass die Punkte, die Du im Kommentar angesprochen hast, wirkliche Nervpunkte sind, die oft ausgeblendet bleiben, die man aber für sich klären sollte.

Insofern gehört bei unseren Schafen, die ja in einer, sagen wir mal - Liebhaberhaltung - gehalten werden und die nicht ökonomisch Gewinn bringen müssen, auch, wie bei anderer Haltung, der Tod dazu, aber eben auf die beschriebene Weise, und ich glaube, die ist verschieden von der Art, wie normalerweise in Schäfereien mit dem Tod umgegangen wird.

Ich habe auch schon im Heimtierbereich erlebt, dass mit dem Wort "erlösen" zu schnell mit der Spritze herumgefuchtelt wurde, weil die Menschen (!!) das langsame und natürliche Sterben ihres Tieres nicht gut ertragen. Sie wollen dann reinen Tisch machen und das soll schnell gehen.

Damit tun sie dem Tier auch Gewalt an.

Also gibt es, glaube ich, drei Logiken oder Ethiken den Tieren gegenüber und die ziehen unterschiedliche Handlungen nach sich:

-die erste ist die ökonomische Haltung. Das ist die Schäferei. Da entscheidet der Mensch, wer wann wie stirbt. Das ist für mich in der traditionellen Form anerkennenswert und respektabel. Massenhaltung lehne ich rigoros ab.

-die zweite ist die Haustier/Streicheltierhaltung. Hier gibt es sicher beides: Schnell wegspritzen oder sich nicht trennen können und dem Tier damit Gewalt antun, dass man es nicht sterben lässt. Was Du ja auch bei mir vermutet hast. :)

-die dritte ist die Liebhaberhaltung, Hobbyhaltung von so genannten Nutztieren. So wie bei unseren Schulschafen. Die liegt quer zu allem. Sie ist am meisten unerforscht.

Auf "unserem" Hof gibt es zwei Haltungen. Die traditionsgebundene, ökologisch nachhaltige Schafhaltung mit ökonomischem Hintergrund (Schäferei) und die Liebhaberhaltung als Pensionstiere (Lenauer Schulschafe). Daraus ergeben sich auch manchmal Diskussionen, die sicher beiden Seiten etwas bringen können.

Ich war gestern bei Nello, und Herr K. und ich, wir beide fanden, dass es im Moment keine Situation ist, dass Nello mit seinem Leben abschließen möchte. Deshalb heben wir ihn auch hoch. Als Willi starb und wir in seinen  letzten Tagen feststellten, es geht jetzt ans Sterben bei ihm, er will gehen, da haben wir ihn nicht hochgehoben. Vorher stand er immer selber auf, wie schwer es auch immer für ihn war. Aber da wollte er noch weitermachen. Als er sich niederlegte und wir merkten, er will nicht mehr, da haben wir ihm nur noch beigestanden. 

Das kann sehr beglückend sein, denn Tiere machen alles, was sie machen, ganz - im Leben und im Sterben. Es ist beeindruckend. Wenn es dann der Abschluss eines langen, schönen Lebens ist, so wie wir uns das auch für uns wünschen würden, dann ist es überhaupt nicht traurig!!!

Ich hoffe, dass vielleicht zu spüren war, dass ich schon auf dem Boden der Tatsachen stehe, obwohl ich mir Mitgefühl , ja - leiste. Nicht so ein gefühlsduseliges egoistisches Etwas bin, das seine gefühlsduseligen egomanischen Bestrebungen nun zufällig an Tieren auslässt....

Deine Überlegungen waren und sind mir sehr wichtig für die Schafhaltung. Ich sehe mit großem Respekt, wie Schafhalter und Schäfer mit ihren Tieren umgehen, so wie Familie K. es tut, so wie Ihr es tut (Es gibt leider auch viele Andere!) und ich freue mich, wenn ich etwas von dem, was mich umtreibt, vielleicht im Ansatz plausibel machen kann. Als meine Lösung in meiner Situation. Und wenn ich von Euch etwas lernen kann!!!
Für das Geld, das ich in sechs Jahren bisher in die Schafhaltung reingesteckt habe, hätte ich mir schon einen richtig fetten BMW kaufen können, wurde mir klar, nachdem ich es mal durchgerechnet hatte. Aber scheiß auf einen BMW. Das hier ist viel besser!!!

Puh, das war jetzt anstrengend. Erst mal ne Pause machen. 
Herzliche Grüße
Minna 

Ich glaube, für ein Schulblog waren das jetzt sehr grenzwertige Gedanken von mir. Aber ich finde sie wichtig. Ich finde es wichtig, dass sich jeder Gedanken über solche wichtigen Fragen macht.